Internet aussitzen 2.0

Wenn ich Armin Thurnher gelegentlich sehe, zB bei einem kleinen Architektursymposium im Hotel Kiew zu Bratislava, wo er über die Hintergründe der Pro-Amerika-Stimmungsmache ganzer Journalistengenerationen referiert, fallen mir meistens drei Fragen ein: 1.) Ist der Falter schon online? 2.) Darf ich mit Ihnen in den nächsten Tagen ein kurzes Online-Interview machen? 3.) Soll ich für Sie arbeiten?

Die zweite Frage ist natürlich eine Ente. Gestern abend beim APA-Event "Writing for CEE" hab ich mich jedenfalls für Frage eins entschieden: Ist der Falter schon online? Nämlich richtig online? Und AT antwortete mir: "Nein. Wir haben nix zu verschenken." Falls einmal mehr Falter online geht, dann eingeschränkt zugänglich nur für Abonnenten, so Thurnher.

Die Angst vor dem wirtschaftlichen Ruin durch schlechter zahlende InserentInnen und gratis lesende LeserInnen bei zur Verfügung stehendem Online-Falter wird schon berechtigt sein. Eine zeitgemäße Gestion eines Verlages bestünde aber gar nicht in einer linearen Übertragung eines gedruckten Wochenmagazins ins Web und in die SNS – ganz im Gegenteil!

Witzig am Falter ist auf jeden Fall, dass er das Thema 2.0 – zumindest de facto – einfach an die Mitarbeiter ausgelagert hat. Florian Klenk, der gestern den CEE-Qualitätsjournalismuspreis gewann (congrats!!), ist Falters Auslage in allen einschlägigen Plattformen. Aber natürlich nur bezüglich der Artikel, die er selber geschrieben hat.

Die momentan beste Wochenzeitung Wiens ist übrigens nicht die einzige, die Schwierigkeiten mit den technologischen Herausforderungen des 21. Jh. hat. Wir sollten vielleicht eine Hitliste der gefährdeten Tierarten recherchieren. Und weil wir gerade Uni-mäßig die Liebe zu Niederösterreich entdeckt haben, schreibe ich gleich einmal die NÖN her: Noch ein paar Jahre so weiter, liebe Gutenbergsträssler, und die Aufgabe löst sich, wie man heut so schön (naja, schön?) sagt, biologisch;-)

(h.e.)

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